Juni 10, 2021

„Laufschuh-Dialoge“ – Woche 11/24

Wenn Sie lieber hören als lesen: schnell rüber in den Laufschuh-Podcast!
https://carstensprung.de/podcasts/laufschuh-podcast-woche-11/

Ja hallo. Da sind Sie ja wieder. Merken Sie es auch schon? Es ist ja immerhin auch schon unserer elfte Laufrunde. Da merkt man so langsam erste Fortschritte. Und auch wenn noch nicht einmal die Hälfte des Weges erreicht ist: schauen wir mal auf das gemeinsam Erreichte.

Wie geht es Ihnen? Ich persönlich habe es sehr genossen: der Austausch mit Ihnen. Die Gedanken zu den vielen Beobachtungen. Und die aus den Laufschuh-Dialogen entstandenen Gespräche.

Ich hoffe, bei Ihnen ist es ähnlich: in den letzten knapp drei Monaten hat sich viel entwickelt. Auf den nächsten Laufrunden möchte ich mit Ihnen den Blick nach vorne richten. Und ich bin auch schon ganz gespannt: welche Erkenntnisse gewinnen wir aus den Beobachtungen?

Bevor es aber soweit ist: schauen wir doch noch einmal hinter das Besondere von guten Gesprächen. Und ich bin mir sicher: Sie kennen das Gefühl. Diese Unzufriedenheit. Dieses Unbehagen. Ja, gelegentlich auch Frust. Wenn ein Gespräch wieder so richtig schief gegangen ist.

Ist es denn wirklich so schwierig? Was macht ein gutes Gespräch aus? Und was müssen wir für ein gutes Gespräch tun?

Ich finde es ein gutes Thema für diese Laufrunde:

machen wir uns bereit für gute Gespräche.

Und? Wann ist es Ihnen das letzte Mal so gegangen? Obwohl man gerade auf alles andere Lust hat: man wird in ein Gespräch verwickelt. Oft völlig spontan. Oder zu einem für mich völlig uninteressanten Thema. So oder so: ich will nicht. Und dann fühlt es sich von Beginn an so etwas von sperrig an. Es verläuft zäh wie Kaugummi. Haben wir es dann endlich hinter uns: immer noch ein richtig doofes Gefühl. Und die Frage: wer gibt mir diese Lebenszeit zurück?

Nicht weniger frustrierend verläuft es im umgekehrten Fall: ich suche das Gespräch. Und mein Gegenüber will nicht. Das Problem allerdings: ICH WILL. Da muss es doch ein Gespräch wohl möglich sein?

Und Sie ahnen es schon. Oder kennen es aus eigener Erfahrung: ist es nicht!

Dabei muss das nicht so enden. Nicht jedes Gespräch kann ein gutes Gespräch werden. Ein Gespräch mit all den guten Eigenschaften: Impulsen. Gewichtenden Meinungen. Wertschätzender Rückendeckung.

Was also kann oder muss ich tun? Wie schaffe ich das nahezu Unmögliche? Wie mache ich „meine“ Gespräche zu einem „guten Gespräch“?

Der erste Punkt ist so offensichtlich. Vielleicht übersehen wir ihn gerade deshalb so gerne. Wir sollten das mal akzeptieren: es gibt einfach diese Momente. Da passt uns ein Gespräch einfach nicht in den Kram. Oder ein Gespräch gerade zu diesem Thema. Und dann haben wir doch nur noch ein Ziel: das Gespräch möglichst schnell abzuwürgen. Vielleicht sollte man die dann doch erzwungenen Gespräche mal aufzeichnen? Das wäre sicher ein großer Spaß. Mit der am Ende immer wiederkehrenden Erkenntnis: wenn einseitig das Interesse an einem Gespräch fehlt, gibt es kein Gespräch. Jedenfalls kein „gutes“!

Es lohnt sich offensichtlich: warten wir auf den passenden Moment.

Nur was kann ich im umgekehrten Fall tun? Wenn mir ein Gespräch aufgezwungen wird? Hier ist die schon oft beschworene „Klarheit“ erste Bürgerpflicht. Machen wir uns doch nicht mitschuldig am mißratenen Gespräch. Nehmen wir unseren ganzen Mut zusammen und sprechen es klar aus: „Ich möchte das Gespräch jetzt gerade nicht führen. Wie wäre es später?“.

Eine respektvolle „Gesprächsverweigerung“ bietet für alle Beteiligten große Vorteile: es führt zu keinem unmittelbaren Frust durch ein schmerzhaftes Gespräch. Alle können ihre Perspektive finden und einer wirkungsvollen Debatte steht nur noch der wichtigste Punkt im Wege:

“Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte.“

Treffender als der frühere deutsche Philosoph Hans-Georg Gadamer kann man es nicht auf den Punkt bringen. Ein gutes Gespräch kann den Alltag unterbrechen und eine stabile Basis für die vor uns liegende Zeit bilden. Deshalb braucht es diese Voraussetzung wie wir Menschen die Luft zum atmen. Fehlt sie: dann ist alles nur noch hanebüchener Firlefanz.

Aber wir können das ja auf unseren Laufrunden anders machen. Und nehmen für die Zeit nach der Laufrunde mit:

Die Basis für ein gutes Gespräch ist die Bereitschaft, es ergebnisoffen zu führen.

Sie werden jetzt zurecht anmerken: ich werde so oft angesprochen. Oder sprechen andere Menschen an. Wie soll ich denn da jedesmal „ergebnisoffen“ sein? Und ich gebe es gerne zu: die Frage habe ich mir am Anfang auch gestellt. Und dann wurde mir etwas sehr bemerkenswertes bewusst: wenn ich es will, dann geht das!

Es gibt natürlich viele Gründe: mal ist es Lustlosigkeit. Ein anderes Mal ist schlicht die Wut auf den anderen Menschen. Ganz nach dem Motto: DER HAT JETZT ABER MAL NICHT RECHT! Und wieder ein anderes Mal ist es ein Anfall von Arroganz in Bezug auf die eigene Perspektive.

Zusammengefasst: ich sollte mir einen respektvollen Umgang in allen Gesprächssituationen zulegen. Dann ist ja schon einmal viel gewonnen. Ein wichtiger Punkt ist mir in den letzten Wochen auf der Reise von Dr. Miriam Kunze klar geworden: man sollte sich vielleicht auch mal auf „unbewusste Voreingenommenheit“ prüfen. Da lauern nämlich auch so einige Gefahren für uns gutes Gespräch.

Sie fragen sich jetzt möglicherweise: wovon spricht der? Insgesamt gibt es ca. 180 unbewusste Voreingenommenheiten. Und die Gemeinheit steckt ja direkt im Namen: sie lauern unbewusst auf ihre Chance.

In Hinblick auf unseren Wunsch nach einem guten Gespräch ist unter anderem eine dieser Voreingenommenheiten von Bedeutung: die Suche nach Bestätigung.

Diese Eigenschaft führt zu einer Fokussierung auf bestimmte Informationen: wir filtern alles heraus, was unsere Position bestätigt oder unterstützt. Dadurch verliert sich der Blick auf das ergebnisoffenen Gespräch. Wie soll das auch gehen? Ich gehe ja nur auf die mir angenehmen Dinge ein. Und werde es nie verstehen können: wieso beharrt mein Gegenüber so derart auf diesen Kleinigkeiten?

Und mal ganz im Ernst: genau hier versaue ich mir doch selbst den Genuss am Gespräch. Ich beraube mich der großartigen Möglichkeiten eines guten Gespräches. Und verpasse damit die Gelegenheit, meinen inneren Kompass zu kalibrieren und durch die andere Perspektive meine Gedanken zu gewichten.

Die weitaus größte Gefahr dieser Voreingenommenheit besteht aber in einem ganz anderen Punkt: sie führt dazu, dass ich gar nicht bis zum Ende zuhöre. Ich weiss ja, was noch kommt. Und während ich eigentlich zuhören sollte, formuliere ich schon meine Antwort. Dadurch fühlt sich mein Gegenüber nicht gehört. Weil ich ja nur auf einen Teil dessen eingehe, was gerade gesagt worden ist.

Und sind wir doch mal ehrlich: nichts nervt in einem Gespräch mehr als Menschen, die nicht zuhören. Oder?

Im Endeffekt gebe ich dann Ratschläge oder bekräftige meine Perspektive ohne etwas entscheidendes zu wissen: richte ich mich überhaupt nach dem eigentlichen Problem?

Meinen wir es also wirklich ernst mit dem „ergebnisoffenen Gespräch“? Dann hilft nur eines:

Wir müssen abwarten, bis wir die andere Position oder das eigentliche Problem wirklich verstanden haben!

Ein letzter Punkt für unsere heutige Laufrunde liegt mir ganz besonders am Herzen. Kommt es Ihnen auch so vor: immer häufiger führen Widersprüche in Gesprächen zu einer gekränkten Eitelkeit. So richtig zu verstehen ist das natürlich nicht: seit jeher bestehen Gespräche aus These, Antithese und Synthese. Da kommt der Widerspruch also quasi „frei Haus“. Wenn nun allerdings einer der Beteiligten beleidigt ist: wie soll da ein gutes Gespräch gelingen?

Es liegt also – wieder einmal – an uns selbst.

Schauen wir doch mal genau hin: wann tun uns Widersprüche denn besonders weh? Meistens doch, wenn wir uns über etwas ganz besonders sicher sind. Oder uns aufgrund unserer Ausbildung oder unseres Hintergrundwissens zur „richtigen Meinung“ berufen fühlen.

Diese Liste lässt sich nahezu beliebig verlängern. Und doch kommt es am Ende immer auf einen gemeinsamen Nenner: sobald wir uns in unseren Stärken überhöhen oder in unseren Schwächen versinken, wird es eng. Da werfen uns Widersprüche – die sich ja gerne in Form von Rückfragen tarnen – meist völlig aus der Bahn. Sie kränken uns oder sie schüchtern uns ein.

Also bleiben wir doch am besten gerade und aufrecht stehen. Begegnen unserem Gegenüber auf Augenhöhe und mit Respekt.

Und nehmen wir um Himmels Willen Widersprüche nicht immer gleich so persönlich.

Oh. Da kommt ja schon das Ziel für diese Laufrunde in Sicht. Ich freue mich schon auf die nächste Laufrunde. Es war wieder eine schöne Runde. Ich wünsche Ihnen jedenfalls bis dahin von Herzen viele schöne Gespräche und möchte zum Ende noch einen kleinen Gedanken mit Ihnen teilen:

oft verhindern Respektlosigkeit oder fehlende Klarheit ein gutes Gespräch. Erinnern Sie sich doch mal an die letzten Gespräche. Und zwar nur an die, die Sie hinterher als unangenehm empfunden haben. Dann werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit feststellen: diese Gespräche waren geprägt von unehrlichen Fragen und unklaren Aussagen.

Da müssen wir ran!

In den nächsten Wochen werden wir uns einmal näher mit den einzelnen Bestandteilen eines Veränderungs-Dialoges beschäftigen. Und bis dahin können wir uns ja an einer einfachen Faustformel orientieren:

Ehrliche Fragen – klare Antworten. Dann klappt es mit dem guten Gespräch.

Kommen Sie gut über die Runde und viel Spaß beim Laufen!

Buch der Woche:
Daniel Glattauer: „Gut gegen Nordwind“
(ISBN: 978-3-552-06041-8)
Weil es davon erzählt, dass auch aus einem Zufall heraus ein gutes Gespräch entstehen kann – wenn beide es wollen!

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