Mai 18, 2021

„Laufschuh-Dialoge“ – Woche 08/24

Wenn Sie lieber hören als lesen: schnell rüber in den Laufschuh-Podcast!
https://carstensprung.de/podcasts/laufschuh-podcast-woche-8/

Herzlich Willkommen zu unserer Laufrunde. Schön, dass Sie wieder dabei sind.

Ich bin mir sicher: Sie haben das auch schon erlebt. Sie haben etwas beobachtet. Sich lange und intensiv Gedanken dazu gemacht. Haben eine Lösung für die Situation ausgetüftelt. Und dann? Haben Sie alles wieder zur Seite geschoben?

Ich kann Sie zunächst einmal beruhigen: Sie sind nicht alleine.

Wie ist das bei Ihnen? Lassen Sie mich raten: Ihnen ist eine neue Bobachtung über den Weg gelaufen? Oder Sie fühlten sich nicht perfekt vorbereitet? Vielleicht fühlte es sich auch einfach nicht gut an? Oder waren Sie schlicht der Meinung, ein anderer könnte das doch viel besser als Sie?

Für Robert Swan ist das übrigens das Hauptproblem bei der Bewältigung der Klimaerwärmung. Sie erinnern sich wahrscheinlich an diesen sympathischen Briten mit der verrückten Idee: ich kann zu Fuß zu beiden Polen laufen? Dieser Robert Swan sagt jedenfalls:

„Die größte Gefahr für unseren Planeten ist der Glaube, dass jemand anderes ihn rettet!“.

Nun muss es ja nicht immer gleich die ganz große Idee sein. Nur: warum bekommen auch so viele naheliegende Ideen gar keine echte Chance? Ich habe in den letzten Monaten der Pandemie immer wieder Neues ausprobiert – insbesondere diesen Blog bzw. Podcast. Ein YouTube-Channel ist dazugekommen. Und ich beschäftige mich aktiv mit unzähligen neuen Themen oder Ideen anderer Menschen. Fühle ich mich dadurch groß? Nein, ganz sicher nicht! Ich kann allerdings spüren, wie ich daran wachse.

Lassen Sie uns das also ein für alle mal klären: hören wir endlich auf, uns klein zu fühlen!

Es lohnt sich.

Auf unserer letzten Laufrunde haben wir uns ja auch schon mit dem Thema „Wirkung“ beschäftigt. Was allerdings nützt mir die schönste Wirkung, wenn ich Sie mir nicht selbst zugestehe?

Ich setze auf Ihre Zustimmung: es beeindruckt einen immer wieder wenn wir von Geschichten wie der von Malala Yousafzai hören. Und was ist das auch für eine Geschichte? Da widersetzt sich ein junges Mädchen dem Regime! Aus Überzeugung! Wahnsinn! Ich kriege schon kalte Schweißausbrüche, wenn ich 60km innerorts fahre.

Und Malala?

Die folgt ihrer inneren Überzeugung. Sie findet den gegenwärtigen Zustand schlicht falsch. Also macht sie den Mund auf. Vielleicht hat sie auch gedacht „Was kann ich schon verändern?“. Gesagt hat Sie hingegen:

„Wenn die ganze Welt schweigt, kann auch eine Stimme Macht haben.“

Und so nimmt die damals 11-jährige im Jahr 2009 die Gelegenheit an: auf Vorschlag eines BBC-Reporters beginnt Sie, in einem Internet-Blog über die Lage in Ihrer Heimat zu berichten. Sie schreibt über ihre Gefühle und Ängste in Angesicht der alltäglichen Gewalttaten im Swat-Tal. Ihr Blog erreicht schnell große Bekanntheit und führt im Oktober 2012 zu einem Attentat, das Malala nur knapp überlebt.

Was mich besonders bewegt: Malala kannte die Gefahren, Und obwohl sie nicht wusste, wieviele Menschen Sie mit dem Blog erreichen oder gar überzeugen würde: sie hat dennoch weitergemacht.

Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen:

Glauben wir an unsere Wirkung und unsere Idee und eröffnen den Dialog!

Ich kann Sie förmlich denken hören: “Ja, aber unsere Reichweite ist doch sehr begrenzt! So ein Blog auf einer BBC-Seite ist da ja etwas ganz anderes!“

Und ich mag Ihnen antworten: „Ja, gerade weil unsere Reichweite so begrenzt ist müssen wir immer wieder und viel mit den Menschen über unsere Idee reden!“

Diese Feststellung wirft auch noch direkt eine neue Frage auf: wie um alles in der Welt hat es ein Martin Luther King geschafft? In einer Zeit, ganz ohne Internet. Ohne Messenger-Dienste. 

Zunächst einmal hat er sich auf ein Thema fokussiert. Das besondere an dem Thema: es passte zu ihm. Sein Erscheinungsbild passte zur Erwartung seiner Zielgruppe. Ihm wurde die Kompetenz zugesprochen, über dieses Thema zu sprechen.

Er war authentisch!

Um seine Wirkung – sagen wir mal vorsichtig – zu optimieren, hatte er klar definiertes „Warum“. Mehr noch: er hat das „unendliche Spiel“ gespielt. Und so war es nur logisch, dass er von „I have a dream“ gesprochen hat. Und nicht von „Ich habe einen 10-Punkte-Plan!“.

Schlussendlich hat er dann vor allem eines getan: er hat angefangen, über seine Ideen und Überzeugungen zu sprechen.

Und er hat nie wieder damit aufgehört.

Und obwohl er immer wieder großen Widerständen ausgesetzt war: er hat nicht lockergelassen. Egal, ob es gerade gut oder schlecht lief: er hat an seinen Idealen und Ideen festgehalten und immer wieder über sie gesprochen. Mit den „hohen Tieren“ und auch mit den „normalen Menschen“. Und so kamen am 28.08.1963 ungefähr 250.000 Menschen, um den Kurs von Präsident Kenniedy zu unterstützen.

Und so lernen wir etwas sehr maßgebliches: lösen Sie sich von der Meinung andere Menschen! Denn es  gibt ihn: diesen einen Menschen, der Ihren Impuls toll findet. Und ihn zu seiner Idee macht.

Geben Sie nicht auf! Machen Sie weiter bis Sie nicht mehr alleine sind!

Das Beispiel Malala zeigt es natürlich sehr deutlich: Widerstände können auch sehr heftig ausfallen. Zum Glück kommt es eher selten zu einem Attenentat. Und wir sind uns ja auch seit dem ersten Kilometer einig: wir brauchen Veränderung. Wir brauchen diese Impulse. Zur Wahrheit gehört allerdings auch: die Mehrheit der Menschen wird unseren Impuls zunächst einmal ablehnen. Nicht aus einer grundsätzlichen Haltung heraus, sondern eher aufgrund einer allgemeinen kognitiven Müdigkeit.

Sie erinnern sich jetzt bestimmt: wir hatten ja auch gerade erst über die Informationsflut gesprochen.

Nun zähle ich nach wie vor auf Sie: lassen Sie es uns anders machen!

Klingt natürlich wieder einmal einfacher als es ist. Wie finde ich Unterstützer für meinen Impuls? Wir hatten es ja festgestellt: als Grundlage muss eine solide Wirkung her. Achten Sie auf den Kontakt, bevor Sie in den Dialog gehen. Dann kommt im besten Fall schon einmal der wirklich wichtige Inhalt auf der anderen Seite an. Vor dem Hintergrund der kognitiven Ermüdung bin ich mir mittlerweile allerdings  gar nicht mehr so sicher: ist es wirklich ein Kontakt oder blicken alle nur gebannt zu mir wie die Motten ins Licht fliegen?

Also müssen wir härtere Massnahmen ergreifen: definieren Sie sich eine initiale  Zielgruppe! Und bilden Sie die im ersten Aufschlag bloss nicht zu weitläufig! Ich bin mir sicher: Sie kennen das oder können es sich lebhaft vorstellen. Erzählen Sie in Ihrer Stadt oder Ihren Ort mal 100 wahllos ausgewählten, Ihnen zuvor unbekannten Personen von den Vorzügen Ihrer Lieblings-Schuhmarke. Bei wie vielen werden Sie auf Interesse stossen?

Jetzt wiederholen Sie das Experiment. Und wählen die Menschen nur aus einer Personengruppe: denen, die gerade ein Sportgeschäft verlassen.

Und? Wie hoch schätzen Sie nun die Wahrscheinlichkeit, auf Interesse zu stoßen?

Merken Sie es?

Durch den Standort vor dem Sportgeschäft erhöht sich die Chance auf Zuhörer.

Kennen Sie diese doppelten Türen in den großen Kaufhäusern? Ursprünglich sollten Sie einen übermäßigen Wärmeverlust verhindern. Wann immer ich so ein Kaufhaus betrete oder verlasse: immer halte ich den Menschen nach mir die Tür auf. Und? Was denken Sie? Was passiert dann an der nächsten Tür? Genau! Mir wird die Tür aufgehalten!

Schön und genial zugleich!

Zeigt doch dieses kleine Beispiel etwas erstaunliches: das berühmte „Wie Du mir, so ich Dir“ funktioniert auch heute noch und auch mit positivem Effekt. Und so erscheint es eine gute Idee: hören Sie auf der Suche nach Mitstreitern für die eigenen Idee in der eben definierten Zielgruppe mal aufmerksam zu! Und unterstützen die Themen der anderen. Da halten Sie dem Impuls anderer quasi die Tür auf. Und ich würde ja fast wetten: das Interesse für Ihr Thema kommt dann schon fast von selbst.

Ändern Sie also mal Ihre Strategie: gehen Sie aktiv auf die Themen von anderen ein und provozieren so Unterstützung für ihr Thema!

Wie geht es Ihnen? Ich finde: zum „sich klein fühlen“ gibt es eigentlich gar keinen Grund mehr! Also geben Sie es doch einfach auf! Und machen etwas aus Ihren Ideen und Überzeugungen.

Zum Ende unserer Laufrunde möchte ich Sie allerdings vor einer Sache warnen: auf jeder Reise liegt zwischen dem ersten Schritt und dem Ziel eine mehr oder weniger große Veränderung! Nicht nur in der Sache selbst. Sondern auch bei mir. Machen Sie sich also bereit: interessieren Sie sich für Ihr wahres „ich“, Ihre Prägungen und Neigungen und gewinnen Sie Klarheit für sich. Schaffen Sie eine stabile Grundlage für die Dialoge, die Sie im Sinne Ihrer Sache führen wollen. Diese Entwicklung braucht Zeit und endet vielleicht nie! Allerdings kann ich Ihnen eines versichern: erkennen Sie die Reise? Dann werden Sie sich nicht mehr klein fühlen!

Wie und durch wen Sie dafür wertvolle Impulse erhalten, darüber sprechen wir auf der nächsten Laufrunde.

Und bis dahin nehmen Sie es sportlich und halten es am besten mit dem römischen Kaiser Marc Aurel:

„Denke nicht so oft an das, was Dir fehlt. Sondern an das, was Du hast.“

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Laufen und eine sonnige Zeit.


Youtube-Playlist „Laufschuh-Dialoge“
http://bit.ly/Laufschuhdialoge_Playlist


Buch der Woche:
Malala Yousafzai, Christina Lamb: „Ich bin Malala“
Knaur Taschenbuch
ISBN: 978-3-426-78689-5

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