Mai 11, 2021

„Laufschuh-Dialoge“ – Woche 07/24

Wenn Sie lieber hören als lesen: schnell rüber in den Laufschuh-Podcast!
https://carstensprung.de/podcast/laufschuh-podcast-woche-7

„DUM SPIRO SPERO. Solange ich atme, habe ich Hoffnung.“

Mit diesen Worten Ciceros begrüße ich Sie herzlich zu unserer Laufrunde. Ich bin mir sicher: er wird es anders gemeint haben. Und dennoch: auch bei einem Marathonlauf hält einen dieser Grundsatz über Wasser. Ein weiterer Vorteil: so lange die Luft noch da ist, kann man sich beim Laufen viele Gedanken durch den Kopf gehen lassen. Oder auch Fragen.

Sie haben sich doch sicher auch schon einmal gefragt: wie konnte ein einzelnen Mädchen aus Schweden eine globale Bewegung in Gang setzen? Und warum klappt es bei mir nicht einmal bei einfachsten Dingen? Was immer ich auch tue: gefühlt findet so gut wie nie jemand meine Vorschläge gut!

Es ist frustrierend. Und doch ist die Erklärung schon fast banal und einleuchtend: das Zauberwort heisst „Wirkung“.

Blicken wir also heute mal hinter das Geheimnis einer guten Wirkung. Und finden vielleicht ja ein paar einfache Ansatzpunkte. In einem setzte ich jedenfalls auf Ihre Zustimmung: eine gute Wirkung ist die stabile Basis für einen erfolgreichen Dialog.

Ich möchte Ihnen zu Beginn eine kurze Geschichte erzählen. Sie gehört für mich zu den ganz besonderen Geschichten: sie hat wie wenige andere zu einem massiven Perspektivwechsel in meinem Leben geführt. Und so möchte ich Sie mitnehmen nach Austin (Texas) in das Jahr 2012. Dort hatte ich ein ganz besonderes Vergnügen: ich durfte Robert Swan kennenlernen. Robert … wer? Die Frage ist berechtigt. Robert Swan ist der erste und bislang einzige Mensch, der sowohl den Süd- als auch den Nordpol zu Fuß erreicht hat!

Man darf sich jetzt berechtigterweise frage: muss man das? Die Antwort überlasse ich ganz Ihnen. Eines ist aber klar: wer so etwas macht, hat viel zu erzählen. Und so erzählte er von eisigen Nächten im Zelt. Von endlosen Schnee und Eislandschaften. Soweit das Auge reichte. Von der ständigen Gefahr durch Eisspalten. Und einer nicht nur wegen der Temperaturen eisigen Gewissheit: ohne Handy oder Satellitennavigation sind die einzigen Menschen, die Dich retten können, Dein Team!

Und dann hat er etwas faszinierendes erzählt. Vieles betrachte ich deshalb heute anders. Da steht dieser Mann, der so früh wie wohl kaum ein anderer die Folgen der Klimaerwärmung unmittelbar unter den Füßen gespürt hat, und sagt:

„Ich habe nicht meine besten Freunde mitgenommen. Sondern die Menschen, die von der Idee genauso begeistert waren wie ich!“.

Klingt natürlich einfacher als es ist: begeistern Sie mal Mitstreiter zu einem Projekt mit unbekannten Risiken und unbekanntem Ausgang. Es hatten ja zuvor noch nicht wirklich viele Menschen gemacht!

Schlimmer noch: nicht wenige haben Robert Swan für völlig bekloppt gehalten.  „Du wirst scheitern, Rob!“, gehörte zu den harmloseren Antworten.  Nicht selten wurde er gewarnt: „Du wirst sterben!“.

Und so stellt sich die entscheidende Frage: wieviel Überzeugungskraft braucht man in einem so anlehnenden Umfeld? Wir haben ja erst bei der letzten Laufrunde darüber gesprochen.

Und die Antwort Robert Swans ist logisch wie einfach zu gleich: bin ich selbst nicht von der Idee überzeugt? Wie sollen sich denn andere von Ihrer Idee überzeugen lassen?

Und so ist es bei ihm. Seinerzeit „brannte“ er für die Idee: der erste Mensch sein, der zu beiden Polen gelaufen ist. Und so ist es bis heute! Verfolgen Sie mal seinen Einsatz für die Unberührtheit und den Erhalt der Antarktis. Da spüren Sie die Worte Johann Wolfgang von Goethes:

„Was immer Sie tun oder davon träumen, dass Sie es können: fangen Sie es an! Denn Kühnheit hat Genie, Kraft und Magie in sich.“

Also: was planen Sie?

Was ist Ihnen wichtig?

Sind Sie selbst vollständig überzeugt?

Dann los! Lassen Sie die Ausstrahlung Ihrer inneren Überzeugung wirken!

Gerade haben wir uns noch so schön selbst begeistert und brennen jetzt für unsere Idee: da ist schon die nächste Hürde vor uns. Um andere Menschen für unsere Idee zu begeistern, brauchen wir zunächst einmal ihre Aufmerksamkeit. Aus der kann die Motivation entstehen: sich unserer Sache anzuschließen und Interesse zu entwickeln. Auf einer der nächsten Laufrunden werden wir mal über die wichtigen Eigenschaften eines der Veränderung zugrunde liegenden Dialogs sprechen.

Aber zurück zur Aufmerksamkeit. Fragen Sie sich schnell mal kurz: achten Sie immer darauf? Prüfen Sie, ob Ihnen die Gesprächspartner wirklich zuhören und aufmerksam sind?

Ich war es viel zu lange nicht. Und habe es mit so manchem Stressmoment in meinen Beziehungen bezahlt. Nur: wie kann es funktionieren?

Ein gutes Beispiel sind für uns Kinder: die haben da gar keinen Stress mit. Da wird im Zweifel 30x „Papa“ gerufen: erst, wenn ich mich zu meiner Tochter wende und frage: „Ja?“, fängt sie an über das eigentliche Thema zu sprechen.

Zugegeben: das wird für Verwunderung sorgen, wenn Sie zu Beginn des Gesprächs mehrfach den Namen Ihres Gegenüber sagen. Was spricht allerdings gegen eine Anmerkung wie z.B.: „Das ist mir jetzt so wichtig, da möchte ich mir Deiner vollen Aufmerksamkeit sicher sein.“?

Ein anderer Weg ist vielleicht noch eleganter: verschaffen wir uns Aufmerksamkeit und eine Verbindung durch eine wirkungsvolle Geschichte.

Na, mal ehrlich: wann haben Sie zum letzten Mal eine Geschichte erzählt?Der argentinischer Autor und Psychiater Jorge Bucay hat einmal gesagt:

„Kindern erzählen wir Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen!“

Ich kann Sie schon „Prima“ sagen hören. Und schon im nächsten Schritt merken wir: eine gute Geschichte zu erzählen, ist wirkungsvoll wie herausfordernd zugleich! Es gibt so vieles zu beachten:

  • Die Geschichte sollte bitteschön konkret sein und zum Thema passen.
  • Sie sollte einfach sein. Wohl kaum etwas ist blöder als eine Nachfrage zur Geschichte … .
  • Ihre Geschichte sollte glaubhaft sein. Am einfachsten: es ist es sogar eine wahre Geschichte.
  • Eine überraschende Wendung hilft der Geschichte.
  • Und die Geschichte darf gerne emotional werden.

Und bei aller Theorie: erfüllt Ihre Geschichte eine Vielzahl der Kriterien, wird sie wirken. Und dann ist es egal, ob es eine „gute“ Geschichte ist oder nicht!

Na los! Versuchen Sie es! Schaffen Sie eine Verbindung durch eine gute Geschichte.

Zugegeben: nicht immer passt Das Erzählen einer Geschichte. Den Kontakt zum Gegenüber brauchen wir allerdings immer. Und darin liegt ein großes Problem unserer Wirkung. Es ist gar keine Form von Wirkungslosigkeit: wir haben schlicht noch keinen Kontakt zum Gegenüber hergestellt. Und horchen wir doch einmal in uns hinein: welche Frage stellen wir uns unterbewusst immer, wenn wir in einen Dialog gezogen werden?

Eine Idee?

Ganz genau: was ist für mich drin?

Das ist also zu klären. Und noch einmal: das „Wie“ ist dabei egal. Eine wirkungsvolle Geschichte ist dabei lediglich ein sehr gutes Mittel. Es kann aber auch ein Vergleich, ein Gegenstand oder eine Frage sein.

Machen wir uns eines klar: ohne Klärung dieser zentralen Frage kommt es fast garantiert zu keinem Kontakt.

Und ohne Kontakt kein Dialog. Ohne Dialog keine Wirkung!

Eine Geschichte ist oftmals auch aus einem ganz anderen Grunde ein sehr guter Einstieg: Sie führt uns in das Thema auf einer eher abstrakten Ebene. Einer hohen Flughöhe könnte man sagen. Und kann meinem Gegenüber eine Gelegenheit bieten: kann man sich die Situation vorstellen oder sie mit der eigenen, aktuellen Situation vergleichen? Dann wird aus dem „fremden“ das „eigene“. Und die Motivation, das Interesse steigt.

Die gute Nachricht: es wird für uns jetzt deutlich einfacher. Allerdings ist ein Interessierter noch kein Mitstreiter. Die Situation zu verstehen bedeutet eines nicht: die Situation anzunehmen und zur eigenen Überzeugung zu machen. Dazu müssen wir unseren Gesprächspartner noch einmal an die Hand nehmen und quasi mit „der Nase darauf stoßen“.

Sie müssen eine klare Anweisung oder Empfehlung geben!

Das Geheimnis des „auf den Punkt kommen“ hat Stefan Wachtel im „Buch der Woche“ („Das Zielsatz-Prinzip“) sehr anschaulich aufbereitet.

Er beschreibt es sehr eindrucksvoll: ein Gespräch darf nicht vom ersten Satz an immer detaillierter werden. Jedenfalls nicht, wenn es begeistern und wirken soll. Ein Gespräch zum Austausch von Grundsätzlichem wird sicherlich auch mal mit zunehmender Dauer immer detaillierter.

Wenn wir allerdings ehrlich sind müssen wir zugeben: das Gespräch kann noch so klar begonnen haben. Sobald man merkt: “Oh, wir sind vom Kürbis auf den Mond gekommen!“, stellt sich eine dramatische Frage: „Wo ist denn der „roten Faden“ hin?“.

Das „Zielsatz-Prinzip“ dreht die Pyramide um. Stellt sie auf den Kopf. Und führt uns in unserer Argumentation immer auf den Punkt!

Genial!

Ein echter Wirkungstreffer: vom Zielsatz aus formulieren, vom Kontakt aus sprechen.

Und? Können Sie noch? Oder sollen wir eine Pause machen? Ich denke schon. Außerdem gibt es eine interessante Parallele zum Lauftraining: auch gezielte Trainingspausen haben eine enorme Wirkung auf eine positive Leistungsentwicklung.

Und so orientiert sich der letzte Impuls zum Thema „Wirkung“ frei an dem Motto

„Sprich nie schneller, als andere denken können!“.

Mir ist das selbst über viele Jahre extrem schwer gefallen. Eine Pause zu machen und wirklich abzuwarten, ob jemand etwas sagt. Wir empfinden Stille als ungewohnt. Mehr noch: wir erwarten volle Aufmerksamkeit. Da wird man doch wohl zügig antworten können?

Nur: so einfach ist das nicht. Wie im Sport brauchen Impulse ihre Zeit. Bevor sie wirken ist Geduld gefragt. Und am Ende geht es ja immer noch um etwas grundsätzliches: Mitstreiter für eine Idee oder Überzeugung zu gewinnen.

Unsere Überzeugung!

Probieren Sie es einfach mal aus: machen Sie mal Pause und geben ihren Impulse eine Chance zur Wirkung!

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Laufen und eine sonnige Zeit.


Youtube-Playlist „Laufschuh-Dialoge“
http://bit.ly/Laufschuhdialoge_Playlist


Buch der Woche:
Stefan Wachtel: „Das Zielsatz-Prinzip“
ISBN: 978-3-00-063664-6


Trainingsplan-Woche 07/24 (Abschnitt I – Woche 01-08 – HM < 1h:27Min.)

Mo. 10.05. 10 km langsamer DL (Workout-Lauf)
Di. 11.05. 10 km Tempodauerlauf (4:30/km)
Mi. 12.05. 5x 1.000m Intervalle (3:50/km)
Do. 13.05. ./.
Fr. 14.05. 10 km langsamer DL
Sa. 15.05. ./.
So. 16.05. 25 km lockerer, langer Lauf

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