Mai 4, 2021

„Laufschuh-Dialoge“ – Woche 06/24

Wenn Sie lieber hören als lesen: schnell rüber in den Laufschuh-Podcast!
https://carstensprung.de/podcast/laufschuh-podcast-woche-6

Ah, da sind sie ja wieder! Wie schön! Ist das nicht verrückt? Es ist bereits unsere sechste gemeinsame Runde! Ich freue mich sehr, dass Sie wieder dabei sind.

Ich möchte Ihnen zu Beginn eine kurze Geschichte erzählen. Sie zeigt eines auf ganz zauberhafte Art und Weise: es ist wichtig, eine Überzeugung oder Haltung zu haben. Und sich dann nicht beirren zu lassen. Sie mit schon fast „brutalem Willen“ zu verfolgen. Und die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Aber dazu später mehr.

Zunächst die kurze Geschichte. Wenn Sie auf dem Land leben kennen Sie das vielleicht: Eier muss man nicht im Supermarkt kaufen. Man kann Sie – wenn es besonders gut läuft – in der Nachbarschaft bei Freunden kaufen. Wenn die Tochter der privaten Hühnerhalter dann auch noch zu den besten Freundinnen Ihrer Tochter gehört: ja dann besteht eigentlich schon fast so etwas wie eine Kaufverpflichtung! Nun stellen Sie sich bitte vor: ich gehe mit meiner Frau gemeinsam aus dem Haus. Ich starte zu meiner Laufrunde und sie will uns ein paar Eier besorgen. Als ich nach ca. anderthalb Stunden zurückkomme, werde ich von unserer Jüngsten strahlend aufgehalten. Meine Frau steht noch immer bei den Freunden und zeigt mir stolz das Küken in ihrer Jacke! Um mir im nächsten Satz mitzuteilen: wir bekommen vier davon! Jetzt muss man wissen: ich kann mit Hühnern so rein gar nichts anfangen. Hunde? Ja, kein Problem! Katzen? Auch in Ordnung. Aber Hühner? Die mag ich ja nicht einmal auf dem Grill so sonderlich! Und nun sollen also vier Küken bei uns in den Hauswirtschaftsraum einziehen?

Man konnte diese Gedanken wohl direkt in meinem Gesicht ablesen. Und so beschwichtigt meine Frau umgehend: natürlich nur vorübergehend! Sobald sie flügge sind, kehren sie zurück. Und übrigens: eigentlich ist auch eh schon alles abgemacht.

Zu guter Letzt fragt Sie mich – mit einem Augenaufschlag der Eisberge schmelzen lässt:

„Hilfst Du mir tragen?“.

Und? Was meinen Sie? Ganz genau: NATÜRLICH habe ich beim Tragen geholfen!

Und seitdem wohnen die vier bei uns. Und tun meiner Frau und unseren beiden Töchtern einfach gut.

Sie haben jetzt vielleicht etwas spektakuläreres erwartet. Das tut mir leid. Und doch hilft uns diese kleine Geschichte vielleicht bei der Betrachtung der aktuellen Situation in unserer Gesellschaft. Mehr noch:  sie ist vielleicht eine perfekte Abbildung davon.

Und da sind wir uns ja schon seit einigen Laufrunden einig: es braucht in vielen Bereichen Veränderung. Ein Bereich ist das Klima: das wird nämlich immer schlechter. Und damit ist ausnahmsweise mal nicht der globale Klimawandel gemeint. Vielmehr ist es der Umgang miteinander. Wir nehmen uns kaum noch Zeit für ein konstruktives Miteinander. Stehen uns ablehnend gegenüber. Und belächeln das negative Erlebnis unseres Gegenübers mit einem gönnerhaften: „War mir ja eh klar!“.

Mal ehrlich: so kann es doch nicht weiter gehen, oder?

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: um dies zu ändern kommt genau eine Altersgruppe infrage. Das sind die 35 – 60-jährigen. Und wenn es Ihnen jetzt genau so geht wie mir und Sie denken: oh, der meint ja mich! Dann lassen Sie uns nicht zögern.

Treten wir dem schlechter werdenden Klima in unserer Gesellschaft entschlossen entgegen!

Wie so oft stellt sich die entscheidende Frage gleich zu Beginn: wo fange ich an? Gefolgt von den Klassikern: „Wieso ich?“ und „Was bringt es schon, wenn ich etwas verändere?“.

Vielleicht hilft uns ja an dieser Stelle die kleine Geschichte von meiner Frau und den Hühnerküken. Denn eines muss ich Ihnen dazu noch erklären: meine Frau hat ein unfassbar großes Herz für Tiere! Und zu ihren größten Zielen gehört vor allem eines: das auch für unsere Kinder ein respektvoller Umgang mit Tieren eine Selbstverständlichkeit ist.

Bei mir ist das ein wenig anders: ich teile zwar ihr Ziel hinsichtlich unserer Kinder. Ob man dazu aber nun unbedingt eigene Haustiere – und insbesondere Hühnerküken – haben muss? Das halte ich noch nicht für ausreichend nachgewiesen!

Wie bei so vielen Themen sind unterschiedliche Interessen in einer Beziehung oder Ehe ja zunächst erst einmal kein Problem. Es kann aber schwierig werden: genau dann, wenn mein Desinteresse beispielsweise als Ablehnung wahrgenommen wird. Und das kann schnell passieren: Misserfolge kommentiere ich rechthaberisch oder süffisant. Wiederkehrend stelle ich die Sinnhaftigkeit in Frage. Oder definiere immer wieder zumeist willkürliche Grenzen meiner Toleranz.

Das Gemeine: oft geschieht das ganz unbemerkt. Allerdings steckt immer eine sozial-gesellschaftliche Prägung oder Grundhaltung dahinter! Und das Gefühl, es ja wenigstens genau so selbst zu erleiden.

Aber mal ehrlich: wo ist denn da die Logik? „Wie du mir, so ich Dir!“?

Ernsthaft?

Vielleicht können wir uns darauf einigen: es ist wichtig, ehrliche Anerkennung und Dankbarkeit immer wieder auch zum Ausdruck zu bringen. Die alltäglichen Erfahrungen stehen dem allerdings entgegen: es erscheint mir fast so, als verkommen sie immer mehr zur Mangelware.

Und wir waren uns eben ja einig: wir sind es, die etwas ändern können. Und es ist auch gar nicht so kompliziert. Ein paar grundsätzliche Weichenstellungen – und schon kann es losgehen! In einigen Wochen werden wir uns auf unserer Laufrunde dann auch genau mit dieser Frage beschäftigen: wie gelingt denn der Dialog zu mehr Veränderung?

Nur: warum warten? Fangen wir doch einfach mit einem kleinen Schritt an! Sind Sie bereit?

Gut! Dann sagen wir den Menschen einfach wieder mehr: hey, das finde ich echt gut.

Und fragen dann: wie kann ich Dir dabei helfen?

Nun, da der Anfang gemacht ist, kann uns ja eigentlich nichts mehr aufhalten, oder? Natürlich ahnen Sie es: die Dinge liegen etwas komplizierter. Kurz gesagt: es ist ja schön, wenn WIR unserem Umfeld in Zukunft etwas mehr Aufmerksamkeit, Anerkennung und Zuspruch widmen. Was genau macht es allerdings mit uns, wenn nichts davon zurückkommt? Mehr noch: was können wir gegen die ständige Nörgelei, Übellaunigkeit und Missgunst uns gegenüber tun?

Ich bin mir sicher: es gibt ihn da draußen. Diesen Menschen, der Ihre doch so großartige Idee einfach und schlicht für Firlefanz hält. Der Ihnen aufs Gesicht zusagt, dass dieser Mumpitz noch nie zu etwas Gutem geführt hat.

Für sie alle darf es nur eine Antwort geben: Geh‘ woanders nörgeln!

„Kritiker haben wir genug. Was unsere Zeit braucht, sind Menschen, die uns ermutigen!“. Das klingt ein wenig nach einer aktuellen Feststellung aus diesen Tagen. Allerdings geht sie auf Konrad Adenauer zurück und zeigt uns eines sehr eindrucksvoll: Nicht alle Themen lösen sich im Laufe einer Laufrunde oder in einem zumindest überschaubaren Zeitraum auf!

Es bleibt folglich wieder an uns selbst hängen: um nicht selbst zu einem unzufriedenen Dauernörgler zu werden, müssen wir die Initiative ergreifen.

Sehr anschaulich beschreibt das Tobias Beck in unserem „Buch der Woche“. Zunächst gibt er diesen Menschen einen Namen: „Bewohner“. Und dann erhalten wir auf anschauliche Art und Weise einen Crash-Kurs in Sachen „Beziehungspflege“: am besten gehen wir Bewohnern gleich zu Beginn aus dem Wege. Gelingt uns das nicht, wird es etwas komplizierter. Aber nicht hoffnungsloser! Im Gegenteil!

Und vor allem: es lohnt sich!

Umgeben wir uns also nur noch mit Menschen, die uns Auftrieb geben!

An dieser Stelle möchte ich Sie zu einem kleinen Experiment einladen: Fragen Sie die zehn wichtigsten Menschen in Ihrem Leben beim nächsten Gespräch doch einfach mal: „Gebe ich Dir eigentlich Auftrieb?“. Ich befürchte: Sie werden vom Ergebnis ernüchtert sein.

Die eine Gruppe wird die Frage nicht verstehen. Dadurch ergibt sich zwar ein guter Grund für einen ausführlichen Dialog. Aber eigentlich war das ja gar nicht Ihr ursprüngliches Ziel.

Die wahrscheinlich leider kleinste Gruppe wird Ihre Frage jedenfalls mit „Ja“ beantworten. Schön! Fragen Sie diese Menschen mal: „An welcher Stelle macht sich das für Dich denn bemerkbar?“.

Die verbleibende Gruppe wird es verneinen. Lassen Sie sich nicht von einer wohl gemeinten Ergänzung blenden: nur, weil man es nicht von Ihnen erwartet, bleibt es eine kritische Situation. Immerhin sprechen Sie mit einer von zehn Personen, die Ihnen am wichtigsten sind! Positiv lässt sich vermerken: auch hier ergibt sich direkt die Chance für einen Dialog.

Nutzen Sie diese!

Sind wir mal ehrlich: warum ist das so wichtig? Fehlen Aufmerksamkeit, Anerkennung und Zuspruch, entsteht Unsicherheit. Und im schlimmsten Falle Gleichgültigkeit. Wir laufen Gefahr, etwas wichtiges zu verlieren: unsere Resilienz gegen Kritik und Widerstand. Unser unbedingter Wille, unsere Überzeugung zur Grundlage unseres Handelns zu machen, bröckelt.

Mit dramatischen Folgen: aus Angst vor Kritik an oder Widerstand gegen unsere Entscheidungen zögern wir. Wir ziehen – oftmals resigniert – zurück und kommen am Ende gar nicht mehr zu einer Entscheidung!

Und so bleiben wir tatsächlich wirkungslos.

Da gibt es nur einen Weg: machen wir uns von der Meinung anderer unabhängig!

Auch an dieser Stelle möchte ich noch einmal kurz auf Konrad Adenauer zurückkommen. Der hat einmal passend dazu gesagt: „Die zehn Gebote Gottes sind deshalb so eindeutig, weil sie nicht erst auf einer Konferenz beschlossen wurden.“

Aber Achtung! Sich unabhängig von der Meinung anderer zu machen bedeutet eines sicherlich nicht: diese zu ignorieren. Allerdings sollten wir nur auf die Meinung einer Personengruppe hören: derjenigen, die uns im Allgemeinen bestärken und Auftrieb geben. Aber die anderen, die „Bewohner“, wollten wir dann ja in Zukunft ohnehin nicht mehr in unserem Umfeld haben … .

Sich aus der Umklammerung von negativen Einflüssen zu lösen, ist auch aus einem ganz anderen Grund wichtig: aus Angst vor Fehlern, Kritik und Zurückweisung zögern wir vor Entscheidungen. Oder wir versuchen sogar etwas ganz Abenteuerliches: ganz um eine Entscheidung herumzukommen.

Das ist allerdings nicht nur grundsätzlich eine eher doofe Idee. In manchen Situationen kann das sogar verheerende Folgen haben.

Glauben Sie nicht?

Dann fragen Sie mal Piloten wie Philipp Keil. Das führt zu einem bemerkenswerten Perspektivwechsel:

Piloten müssen entscheiden! Ohne zu zögern. Risiken abwägen? Keine Chance!

Das so etwas überhaupt möglich ist! Wir waren uns doch gerade einig: das zwischenmenschliche Klima verzeiht keine Fehler! Wenn man Philipp Keil zuhört wird einem etwas klar: wir alle können von Piloten etwas lernen. Piloten denken nicht VOR einer Entscheidung über einen möglichen Fehler nach. Dazu gibt es in manchen Situationen schlicht nicht die Gelegenheit. Sie reflektieren allerdings die Entscheidungen hinterher. Insbesondere bei Fehlern führt das zu einem interessanten Effekt: sie entkoppeln sich zunächst vom Druck der Umgebung. Es geht nicht um Fehlerfreiheit. Sondern darum, jede Entscheidung in der Retrospektive zu nutzen. Und aus ihr zu lernen. Damit sie uns so dem Erfolg ein Stück näherbringt.

Zusammengefasst: eine klare Entscheidung ist nicht immer richtig! Aber sie bringt uns immer dem Erfolg näher!

Also los: folgen wir unseren Überzeugungen und treffen mutige Entscheidungen!
Und machen Fehler nie zweimal!

Wie passt also nun unsere kleine Geschichte vom Anfang in dieses Bild? Nun, als Tier-Mama reinster Prägung hat sie eine mutige Entscheidung getroffen: obwohl Sie meine Perspektive zu Hühnern kannte hat sie sich nicht beirren lassen. Und obwohl ich sie meine Ablehnung habe spüren lassen: sie hat es durchgezogen. Weil sie sich eines sicher war: im Falle eines Misserfolges hätte sie meine volle Unterstützung gehabt.

Woher sie diese Sicherheit nimmt? Weil wir ein von Anerkennung und Unterstützung geprägtes Klima geschaffen haben.

Nicht immer von Zustimmung!

In den Fällen hilft zum Glück eine Laufrunde weiter: die verbrennt nämlich nicht nur Kalorien, sondern kann auch Ärger in lautes Schnaufen verwandeln … .

Diesen Klimawandeln aufzuhalten ist also deutlich unkomplizierter: fangen wir einfach an. Und gehen auf unsere Mitmenschen zu. Ich bin auf Ihre Erfahrungen gespannt!

Nächste Woche laufen wir um das Gefühl der Wirkungslosigkeit herum.

Ich freue mich auf unsere nächste Runde und wünsche Ihnen bis dahin: eine sonnige Zeit.


Youtube-Playlist „Laufschuh-Dialoge“
http://bit.ly/Laufschuhdialoge_Playlist

Buch der Woche:
Tobias Beck: „Unbox your life“
GABAL
ISBN: 978-3-86936-869-6


Trainingsplan-Woche 06/24 (Abschnitt I – Woche 01-08 – HM < 1h:27Min.)

Mo. 03.05../.
Di. 04.05.3 km Einlaufen – 5x 1.000m  (3:50 min/km) – 3 km Auslaufen
Mi. 05.05.ruhiger Dauerlauf 60 Min. (12km)
Do. 06.05.Jogging 45 Min.
Fr. 07.05../.
Sa. 08.05.Jogging 30 Min.
So. 09.05.10km Testrennen

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