April 19, 2021

„Laufschuh-Dialoge“ – Woche 04/24

Wenn Sie lieber hören als lesen: schnell rüber in den Laufschuh-Podcast!
https://carstensprung.de/podcast/laufschuh-podcast-woche-4

Herzlich Willkommen zu unserer Laufrunde!

Die letzte Woche stand unter dem Eindruck des erneute Distanzlernens in NRW. Ich möchte deshalb zu Beginn unserer Runde die Gelegenheit für eine mir wichtige Feststellung nutzen: ich bin sehr dankbar für den unermüdlichen Einsatz der Lehrer:innen, Schulleiter:innen und Mitarbeiter:innen der Ganztagsangebote! Ja, ich weiss: es gibt wie überall solche und solche. Aber in der Summe können wir uns doch sicher darauf einigen: insgesamt nötigt es uns im Großen und Ganzen großen Respekt ab. Ich hoffe nur eines: dass man nach dem Ende der Pandemie neben den Pflege- und Gesundheitsberufen auch die Erziehungsberufe grundsätzlich reformiert. Nicht inhaltlich. Das können Menschen wie Richard David Precht ohnehin deutlich unterhaltsamer diskutieren. Ich wünsche es mir in Form von Arbeitszeiten, -bedingungen und Bezahlung.

Machen wir uns klar: wir vertrauen diesen Berufsgruppen schließlich nicht nur unsere Vergangenheit, sondern eben auch unsere Zukunft an!

Ich meine, das ist Grund genug: wir sollten wir uns dann auch anständig um sie kümmern!

Oder nicht?

Nun stehen diese Berufsgruppen auch bei einem anderen Thema sinnbildlich für die Entwicklung in unserer Gesellschaft: der zunehmenden Komplexität unseres Alltags.

Ich finde das bemerkenswert: wir lassen uns erdrücken von viel zu vielen Informationen. In immer kürzeren Abständen prasseln neue Aufgaben auf uns herunter. Und immer mehr Entscheidungen müssen wir selbst treffen. Und dass, obwohl unsere Entscheidungen von anderen zunehmend kritisch begleitet werden. Nicht selten wird eine Entscheidung von unserem Umfeld hinterfragt oder kritisiert. Schon 2016 haben es Studien festgestellt: die Themen des Alltags werden immer komplexer! Vor fünf Jahren! Was ist seitdem nicht alles passiert? Und an eine Pandemie wurde seinerzeit mit Sicherheit auch kein Gedanke verschwendet.

Jetzt kommt es sogar noch dicker: der Alltag entwickelt sich immer schnelllebiger.

Mit fatalen Auswirkungen. Sie stimmen mir sicher zu: meistens bleibt uns nur wenig Zeit, um zu handeln. Und auch, wenn wir es nicht aussprechen: allein fühlen wir uns oft völlig wirkungslos.

Veränderung entsteht dadurch, dass gewöhnliche Leute ungewöhnliche Dinge tun.“, meint Barack Obama. Das können wir sicherlich so akzeptieren. Ich möchte ihm aber gerne antworten: „Tut mir leid, Barack, die gewöhnlichen Leute können nur leider gerade nicht mehr!“.

Und darüber sollten wir mal reden! Und zwar JETZT!

Ich bin mir sicher: Sie werden vom Ergebnis überrascht sein! Und man muss so wenig beachten. Treffend zusammengefasst hat es Hans Arndt – ich zitiere frei:

Während er nicht wußte, was er sagte, begann er zu ahnen, was er wollte.

Durch ein Gespräch werden also aus der Übermacht an Eindrücken die wichtigen herausgefiltert. Mehr noch: durch einen Dialog erhalten diese eine ganz unterschiedliche Gewichtung.

Wie wunderbar!

Plötzlich erkennen wir glasklar die aktuelle Situation. Wie sind wir hier nur wieder hineingeraten? Warum haben wir bloß bislang nichts verändert?

Mit großem Schwung werden wir mit den Konsequenzen unserer Situation konfrontiert. Am Ende haben wir keine Chance. Wie von selbst stoßen wir auf eine ganz persönlichen Erkenntnis: ist das Thema wirklich wichtig? Sollte es für mich wichtig sein? Und falls „ja“: wie soll aus meiner Sicht eine Lösung aussehen?

Ein Gespräch ist also eine gute Gelegenheit.

Ein Gespräch unterbricht den Alltag. So wie unser Gespräch jetzt hier. Es schafft eine stabile Grundlage. Und neue Impulse motivieren zum Dialog mit uns selbst. Der innere Kompass hat plötzlich wieder eine echte Chance!

Auf einmal sind wir auch alleine alles andere als wirkungslos.

Ein Gespräch ist zudem noch viel mehr: ein Gespräch ist der endgültige Beweis von Respekt und Wertschätzung dem anderen Menschen gegenüber. Ok, jetzt ist Widerspruch und Verwunderung angebracht. Natürlich ist hier nicht vom wüsten Geschrei die Rede. Dem unreflektierten Ausfechten von kruden Theorien. Davon erleben wir in diesen Tagen ja mehr als uns lieb sein kann. Nein, gemeint ist das gute Gespräch alter Schule: von Mensch zu Mensch eben. Denn dann lassen wir uns auf den Gegenüber ein. Begeben uns auf Augenhöhe. Überhöhen uns nicht in unseren Stärken und versinken nicht in unseren Schwächen. Wir stellen immer wieder die geistig-emotionale Verbindung sicher. Überprüfen immer wieder das Fundament auf dem unser Gespräch steht. Und nutzen die Impulse immer wieder aufs Neue um uns selbst zu überprüfen.

Hach, da gerate ich ja direkt wieder ins Schwärmen. Wie ist es bei Ihnen? Wann führen Sie das nächste Gespräch „alter Schule“?

Ein guter Anlass hierzu ist der Bereich der Mobilität. Ich glaube, wir sind uns einig: wir brauchen hier dringend Veränderungen. Nicht nur in der Mobilität. Aber eben auch dort. Dabei ist die Lage bemerkenswert wie extrem zugleich: die eigentliche Aufgabe hat sich seit Generationen im Grunde nicht verändert. Nach wie vor wollen Menschen  von A nach B. Die gesellschaftlichen Anforderungen an die Mobilität allerdings verändern sich rasant! Nehmen wir als Beispiel  mal „Car-Sharing“: noch vor 15 Monaten war es extrem beliebt. Durch die Pandemie sieht die Welt jetzt wieder ganz anders aus. Wer steigt denn aktuell in ein Auto, von dem man nicht weiß, wer vorher dringesessen hat?

Und mal ganz ehrlich: in Bezug auf industrielle Zeitalter sind 15 Monate doch gerade mal ein Wimpernschlag!

Nun kommt es also auf Unternehmen wie Volkswagen an. Und ich kann sagen: mich beeindruckt  die Transformation des Unternehmens. Richtig gut gefällt mir an dieser Stelle auch das Motto „Shaping mobility – for generations to come“. Das ist doch mal ein „Warum“!

Dazu passen dann Statements vom CEO Herbert Diess.  Im letztes Jahr – vor Beginn der Pandemie – habe ich in einem Interview von ihm gelesen: „Die Zeit gibt uns genau einen einzigen Versuch, Volkswagen für die Zukunft zu sichern. Nutzen wir ihn.“ (Quelle: Manager Magazin / 16.01.2020)

Nun, wenn ich mir die letzten Wochen und Monate so ansehe: ich habe keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit!

Nun können Sie mir gerne egoistische Motive unterstellen wenn ich sage: ich drücke ihm die Daumen! Gerade für uns Menschen im ländlichen Raum ist die Frage nach der Mobilität von morgen richtungsweisend: wird unsere Region auch in Zukunft lebenswert sein?

Herr Diess, ich zähle auf Sie!

Nur: reicht das?

Wir werden die Mobilitätskrise als ein Teil der Klimakrise nur unter einer Bedingung lösen: wir müssen den Dialog beginnen. Wir müssen all die Komplexität des Alltags einmal ausblenden und uns die ganz einfachen Fragen stellen.

Wir müssen für uns klären: „Wie wollen wir uns in Zukunft bewegen?“. „Wann fühlen wir uns mobil?“

Ja klar: laufen geht natürlich immer. Jedenfalls aktuell. Aber ich will gerne zugeben: mit zwei Wasserkisten wird die Laufrunde ziemlich, naja, sagen wir zäh! Und wie es in 30 Jahren aussieht? Keine Ahnung!

Das „Buch der Woche“ beschäftigt sich dieses Mal eingehend mit dem Begriff der „Relevanz“. Wir waren uns ja eben einig: diese Veränderung ist relevant. Und damit auch dieser Dialog. Mehr noch: er ist dringend notwendig. Denn frei nach Herbert Diess gilt:

„Die Umwelt gibt uns nur noch diesen einen Versuch!“

Die Mobilität der Zukunft mit ihren zunehmend in Software realisierten Funktionen wird sich Vertrauen erarbeiten müssen. Das ist klar und zunächst nichts ungewöhnliches. Ähnlich war es ja auch früher bei Computersoftware: lange Zeit haben sich viele Nutzer geweigert, eine „x.0“-Version einer Software zu installieren. Für den Erfolg wird also eines entscheidend sein: kann schnell genug Vertrauen aufgebaut werden? Neben neuen und verbesserten Testmethoden wird der Erfolg eben auch von der Debatte  über das „Warum“ abhängen. Tritt das „Wie“ nicht in den Hintergrund, werden wir scheitern. Es muss uns um das gemeinsame Ziel gehen. Um die Bewältigung der wirklich relevanten Aufgaben. Und nicht um einen Streit über eine bessere Idee ohne wirklichen Wert.

Also los! Worauf warten wir? Entkrampfen wir unseren Alltag durch gute Gespräche. Und für eine gute Zukunft für unsere Kinder: suchen und finden wir den Weg zu den wirklich wichtigen Debatten!

Die gute Nachricht: auch ein Gespräch mit mir selbst ist ein Anfang und hat eine positive Wirkung. Ganz besonders übrigens bei langen Läufen über 2 Stunden.  

In den nächsten Wochen geht es sich um wichtige Fragen: wie treffe ich in einem Klima der Angst entschlossen mutige Entscheidungen? Woher bekomme ich Impulse in Zeiten sozialer Distanz? Oder: Macht mich der Dialog mit mir selbst nicht zum Egoisten?

Ich freue mich auf unsere nächste Runde und wünsche Ihnen bis dahin: eine sonnige Zeit.

Nutzen Sie die Zeit!


Youtube-Playlist „Laufschuh-Dialoge“
http://bit.ly/Laufschuhdialoge_Playlist

Buch der Woche:
Rene Borbonus: „Relevanz“
Econ Verlag
ISBN: 978-3-430-21004-8

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Trainingsplan-Woche 04/24 (Abschnitt I – Woche 01-08 – HM < 1h:27Min.)

Mo. 19.04. : ./.

Di. 20.04. : 3,5 km Einlaufen – 4x 1000m (3:51 min/km) – 3,5 km Auslaufen

Mi. 21.04. : ruhiger Dauerlauf 60 Min. (12km)

Do. 22.04. : Tempolauf 10 km (ca. 4:25 min/km)

Fr. 23.04. : ./.

Sa. 24.04. : ruhiger Dauerlauf 60 Min. (12km)

So. 25.04. : Langsamer langer Dauerlauf 120 Min. (21km)

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