April 13, 2021

„Laufschuh-Dialoge“ – Woche 03/24

Wenn Sie lieber hören als lesen: schnell rüber in den Laufschuh-Podcast!
https://carstensprung.de/podcast/laufschuh-podcast-woche-3/

Herzlich Willkommen zu unserer Laufrunde!

Was für eine Woche! Das winterliche Wetter zu Wochenbeginn war ja jetzt auch irgendwie überflüssig, oder? Es hat in jedem Fall mal den Trainingsplan ordentlich durcheinander gewirbelt. Zum Glück ist das jetzt auch wieder nicht ungewöhnlich und ein bisschen Puffer ist eingeplant.

Zu Beginn unserer heutigen Runde möchte ich eine Beobachtung mit Ihnen teilen. Von Zeit zu Zeit kommt man in Gesprächen ja auch einmal auf ein sehr unbequemes Thema:

vor welchen Situationen habe ich Angst? Wovor fürchte ich mich?

Ich merke schon, Sie kennen das. Mich persönlich fasziniert das immer wieder: das Thema ist so sperrig. Es ist uns unangenehm. Und doch: die meisten haben eine Antwort darauf.

Spitzenreiter – das wird Sie nicht überraschen: Spinnen!

Aber im Ernst: substantielle Angst haben viele Menschen vor dem Tod oder schwere Krankheiten. Wahlweise betrifft es sie selbst, Angehörige oder Freunde. Dicht dahinter: ich werde verlassen. Und nicht nur aus aktuellem Anlass taucht auch der Jobverlust immer wieder auf.

Bei Licht betrachtet ist Angst ja zunächst einmal gemäß Definition ein Grundgefühl.

Angst hat Jede(r).

Angst ist dabei der Oberbegriff für eine Vielzahl von Gefühlsregungen. Sie alle beruhen auf einer Verunsicherung des Gefühlslebens. Der Psychoanalytiker Fritz Riemann beschreibt vier Grundängste des Menschen:

– die „Angst vor Veränderung“,
– die „Angst vor der Endgültigkeit“,
– die „Angst vor Nähe“ und
– die „Angst vor Selbstwerdung (das musste ich auch erst einmal nachschlagen. Darauf kommen wir später noch einmal zurück).

Ich denke, wir sind uns einig: das ist so erst einmal nachvollziehbar – das können wir so hinnehmen.

Kommen wir kurz zurück auf die Frage – wo vor habe ich Angst? – und fragen uns doch am besten direkt mal selbst: wann fühlt sich denn z.B. eine Trennung oder ein Jobwechsel besser an?

Und?

Die Antwort auf diese Frage findet sich in der Veränderungskurve nach Elizabeth Kübler-Ross. Sie beschreibt die sechs emotionalen Phasen der Veränderung: 

Schock, Widerstand, Trauer, Abschied, Öffnung und Akzeptanz.

Stellen wir uns das doch mal vor: entscheiden wir uns selbst für die Veränderung sind im Idealfall bereits alle Phasen durchlaufen. Quasi bevor die Entscheidung „in Kraft tritt“. Und noch besser: man kann dann auch einen „guten Moment“ abpassen.

Das Wichtigste ist aber: auf dem Weg zur Entscheidung klärt man für sich bereits ein paar wesentliche Dinge.

Ist das Thema relevant für mich? Wie sieht meine Lösung aus?

Meine Mutter ist da immer sehr klar. Sie sagt dann immer: „Junge, dann musst du da mal gegen angehen!“

Aber was bringt mir das?

In meinem Falle hat diese Erkenntnis 2016 zu einem ersten Umdenken geführt. Und 2018 hat es mein Leben dramatisch verändert. Dazu aber mehr in einem der nächsten Laufschuh-Dialoge.

Zusammengefasst halten wir also fest: werden wir zu Veränderungen gezwungen, wird es schmerzhaft. Also sollten wir selbst über die Veränderungen entscheiden – jedenfalls soweit wir sie beeinflussen können.

Aber Vorsicht: man kann dabei auch wie ein Schiff im Nebel umhertreiben. Ein bisschen Klarheit über den grundsätzlichen Kurs soll da nicht schaden!

Also los: beenden wir den Schmerz! Drücken wir der Veränderung unseren Stempel auf!

Kaum etwas löst so intensiven Schmerz bei uns aus wie das Leid von Kindern. Dazu möchte ich Ihnen eine kurze Geschichte erzählen. Ich bin fest überzeugt: sie ist ausschließlich in Ihrem Sinne.

Im Januar 2018 musste meine Tochter wegen eines Ohnmachtsanfalls zur Beobachtung ins Krankenhaus. Wenn Sie selber Kinder haben können Sie sich die Sorgen vorstellen. Meine Frau blieb bei unserem Kind. Und ich kam wann immer es ging zu Besuch. Nun muss man sich das in Datteln so vorstellen: vom Parkplatz bis zum Eingang des Krankenhauses führt eine Straße mit kleineren Gebäuden. Auf dem Weg fällt einem ein Gebäude direkt neben dem Krankenhaus besonders auf: sehr moderner Stil und auf den ersten Blick so ganz anders als eine Klinik. Nun bin ich ja neugierig. Also habe ich mich zuhause direkt mal an den Rechner gesetzt. Und dabei ist es mir dermaßen kalt den Rücken runtergelaufen.

Das Gebäude neben dem Krankenhaus ist das Kinderpalliativzentrum Datteln.

Am nächsten Tag war ich wieder bei meiner Tochter. Und beim Rausgehen sehe ich von der Seite Eltern ankommen. Können Sie sich den Moment vorstellen? Mir wurde schlagartig klar: deren Kind liegt nicht im Krankenhaus. Es ist Patient im Kinderpalliativzentrum.

Wenn Sie einmal in Datteln sind: nutzen Sie die Gelegenheit und besuchen Sie es.  Und reden Sie mal mit dem Personal. In meinen Augen ganz außergewöhnliche Menschen mit einem Herz am rechten Fleck! Die ihre Arbeit im Übrigen gar nicht für so ungewöhnlich halten.

Und eines kann ich Ihnen versprechen: ein Gespräch mit diesen Menschen lässt sie für einen Moment inne halten. Es öffnet Ihnen die Augen. Und Sie werden das Gebäude mit genau einer Frage verlassen:

Warum fange ich nicht an, Ungewöhnliches zu machen?

Wie bei vielen Einrichtungen reichen die bereitgestellten Mittel auch für das Angebot des Kinderpalliativzentrums nicht aus. Ohne Spenden könnten den kleinen Patienten weitaus weniger „Lichtblicke“ und „Lebensmomente“ geschenkt werden.

Und bei so etwas werde ich ja immer echt emotional. Mich lässt das dann auch nicht mehr los. Was kann man tun?

Was kann ICH tun?

In viel zu vielen Fällen endet dieser wichtige Gedanke tragisch. Schon in der nächsten Frage ist die Euphorie verflogen und man fragt sich: was kann ich SCHON tun kann? Das ist mir selber viel zu oft passiert. Auf den nächsten Laufrunden werden wir uns damit auch noch mehr beschäftigen. Ich kann Ihnen aber eines schon verraten: am Ende läuft es immer auf mein „Warum“ hinaus. Kinder können das übrigens ganz wunderbar! Die fragen immer wieder: „Warum?“. Erst wenn die Situation sich im Bauch gut anfühlt hören sie auf. Jeder, wirklich jeder, der sich mit seinem „Warum“ auseinandergesetzt hat wird Ihnen eines berichten:

Mit einem „Warum“ gibt es keine eigenen Grenzen mehr!

Unternehmer wie Marco Schmid haben den Prozess sogar mit ihrem gesamten Unternehmen durchlaufen. Sie können sich vorstellen: mit sehr bemerkenswerten Ergebnissen.

Ich für meinen Teil habe mit meinem Freund Frank die „Run & Help Kids!“-Laufchallenge gegründet. Und so sind In den letzten zwei Jahren immerhin etwa 3.000 Euro Spendengeldern für verschiedene Einrichtungen zusammengekommen.

Plötzlich laufe ich nicht mehr nur für mich.

Egal wie das Wetter ist: die Kinder brauchen die Unterstützung.

Das „Warum“ ist die Triebfeder für jede Veränderung. Das führt zu durchaus bemerkenswerten Erkenntnissen! Folgt eine anstehende Veränderung meinem „Warum“? Dann scheint es so, als ob ich eine oder mehrere Phasen der Veränderungskurve überspring. Und Abkürzungen sind doch mal nicht schlecht, oder?

Hand aufs Herz!  Worauf warten Sie? Finden Sie ihr „Warum“!

Egal, ob Sie jetzt nachdenklich sind oder ganz euphorisch Pläne schmieden wollen: leider muss ich den Elan ein wenig dämpfen! Ganz so einfach ist das mit dem „Warum“ dann auch wieder nicht. Da kommt nämlich das Thema „Selbstwerdung“ wieder ins Spiel. Folgt man dem Schweizer Psychater C.G. Jung, verfestigt sich im Prozess der Selbstwerdung das Bewusstsein der eigenen Individualität. Als Teil der „Grundängste“ – wir sprachen darüber – bedeutet das etwas elementares: ich muss die Angst davor überwinden herauszufinden, wer ich wirklich bin!

Das „Buch der Woche“ kann Ihnen dabei schon einmal helfen. Es braucht aber auch Interesse an mir selbst. Offenheit, mehr über mich zu erfahren. Und die Bereitschaft, am Ende ein anderer Mensch zu sein als zu Beginn. Auch dieses Thema wird uns auf den nächsten Laufrunden nicht loslassen.

In der nächsten Woche richtet sich der Fokus auf ein mir persönlich sehr wichtiges Thema: Komplexität im Alltag.

Ich freue mich auf ganz besonders auf die Laufrunde und wünsche Ihnen bis dahin eine sonnige Zeit!

Youtube-Playlist „Laufschuh-Dialoge“
http://bit.ly/Laufschuhdialoge_Playlist

Buch der Woche:
Simon Sinek: „Frag immer erst: WARUM“ Redline

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