Februar 16, 2021

„Warum sollte nicht ausgerechnet meine Idee die Welt verändern?!?“

Kennen Sie John Harrison?

Nein? Oh, das ist schade.

Denn John Harrison hat nichts weniger getan als eines der größten Wissenschaftlichen Probleme seiner Zeit, dem frühen 18ten Jahrhundert zu lösen!

Und damit begrüße ich Sie ganz herzlich zu dieser späten Stunde. Ich möchte Ihnen heute ein Buch von Dava Sobel vorstellen, die in einer packenden Geschichte beschreibt, wie es John Harrison gelang, mit Hilfe von Innovationen wie der Grasshopper-Hemmung und des Rostpendels gegen den Widerstand gestandener und anerkannter Astronomen wie Galilei, Newton oder Halley das sogenannte „Längenproblem“ zu lösen.

Jetzt werden Sie möglicherweise fragen, was es denn nun mit dem „Längenproblem“ auf sich hat. Und welche wunderbare Erkenntnis hinter der Geschichte dieses wahrhaftig einsamen Genies steckt?

Der Reihe nach:

Die größten Kapitäne des 16., 17. und 18. Jahrhunderts waren de facto blind, wenn das Land ausser Sicht geriet.

Während man die geographische Breite (Breitengrad) relativ präzise mit Hilfe astronomischer Mittel (Messung von Sonnenwinkeln oder des Polarsterns) bestimmen konnte, war der Längengrad noch nicht erfunden – schlicht, weil es zu derzeit noch unmöglich war, mit den verfügbaren Mitteln die geographische Länge, also die Position in Ost-West-Richtung, über einen längeren Zeitraum präzise zu bestimmen.

Man kann sich recht einfach vorstellen, dass dieses Problem für die Seeschifffahrt von großer, ja von existenzieller Bedeutung war.

Gelöst hat es – genau – der bereits erwähnte John Harrison, einer der besten und bekanntesten Uhrmacher seiner Zeit … ach nein, der Mann war Tischler! Ja, tatsächlich, John Harrison war Tischler. Und diesem Tischler ist es gelungen, durch Einsatz wesentlicher Innovationen wie der Grasshopper-Hemmung und Rostpendel sehr genau gehende Uhren zu entwickeln, die auch bei starkem Seegang und Wettereinflüssen wie Hitze und Luftfeuchtigkeit verlässlich funktionieren!

Ein Held! Und seine Geschichte zeigt uns wieder einmal, worauf es in unserem Leben ankommt. Und woran es uns aktuell in unserer Gesellschaft fehlt.

Es kommt darauf an, zu wissen, wofür man sich bestimmt fühlt. Wofür man brennt und selbstempathisch in sich hineinzuhöhren: wie bin ich zu dem geworden, was ich bin? Und wie möchte ich gerne sein?

Und es fehlt uns zunehmend der Mut, entgegen der gesellschaftlichen Erwartung aus dem gewohnten auszubrechen und uns einzugestehen, wer wir wirklich sind. John Harrisons Leidenschaft galt der Entwicklung und dem Bau hochpräzisen Uhren, um das Längenproblem zu lösen. Seine Ausbildung aus Tischer half ihm dabei. Aber anstatt Tische und Stühle zu bauen legte er sich mit den Größen seiner Zeit an – voller Überzeugung und besessen vom Gedanken, die Geschicke der Seefahrt nachhaltig zu verbessern.

Was Harrison nicht wusste: auch heute noch, rund 200 Jahre nach seiner Zeit, profitieren wir davon, dass er die Möglichkeit, präzise Uhren in kleinem Format zu bauen, bewiesen hat.

Ich wünsche mir mehr John Harrisons, Gebiete für nachhaltige und richtungsweisende Erfindungen gibt es ja auch genug. Und ich wünsche mir, dass wir unseren Kindern Mut machen, aus den gesellschaftlichen Zwängen auszubrechen und ihren Weg zu gehen – dann bin ich davon überzeugt, dass wir unsere Probleme genauso in den Griff bekommen wie es mit dem Längenproblem im 18 Jahrhundert funktioniert hat.

Eine schöne Woche und viel Spaß beim Ausbrechen!

Machen wir was draus!

Buchempfehlung:

Dava Sobel: Längengrad : die wahre Geschichte eines einsamen Genies, welches das grösste wissenschaftliche Problem seiner Zeit löste. (ISBN 978-3-492-40530-0)

Bild: John Harrison (http://www.worldtempus.ch/images/john_harrison.jpg)

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