Januar 12, 2021

Wenn die Problembeschreibung zum Problem wird …

Es ist wirklich ein Phänomen! In den letzten Tagen war es wieder vermehrt zu beobachten. Hierzulande, wenn die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie kommentiert werden. Und in Übersee, wenn … ach, lassen wir das! Im Wesentlichen gleichen sich die Situationen: es wird versucht, ein Problem zu beschreiben, welches einem selbst nicht wirklich klar zu sein scheint.

– „Die Maßnahmen überzeugen mich nicht!“.
– „Den Sorgen der Wählerinnen und Wähler hinsichtlich Unregelmäßigkeiten bei der Wahl sollte Gehör geschenkt werden.“
– „Stop the Steal!“
– „Die Maske schränkt mich ein!“

Betrachtet man diese Aussagen, die zugegebenermaßen aus den Zusammenhängen gerissen sind, dann erkennt man schnell: egal, wie vermeintlich klar die Ausdrucksweise ist, die Beschreibung des zu lösenden Problems ist dem Sprecher ganz und gar nicht klar!

Der Respekt vor den Menschen verlangt die Annahme, dass wirklich jeder über seine Worte nachdenkt. Aber wieso wählen dann viele der sogenannten „Führungskräfte“ ihre Worte so wenig gezielt, um die für sich selbst gewonnene Klarheit mit den Lesern/Zuhörern zu teilen? Geht es vielleicht gar nicht um die Lösung eines Problems? Oder um einen konstruktiven Dialog sondern nur um ein bisschen „Rumstänkern“ (allein die Vermutung ist natürlich respektlos, aber auch so verlockend naheliegend!)?

Das muss dann ja zwangsläufig auf uns abfärben.

Wer kennt sie nicht, diese „wunderbaren“ Dialoge: „Warum habt ihr eigentlich zwei Autos?“ – „Warum nicht? Mit zwei Kindern klappt der Einkauf sonst nie!“ oder „Wieso gehst Du nicht zur Blutspende?“ – „Weil ich Angst vor Nadeln habe!“

Beim zweiten Beispiel war ich über Jahrzehnte weit vorne! Nun ist Angst etwas sehr ernstzunehmendes und ich möchte das an dieser Stelle überhaupt nicht klein reden! Im Gegenteil: nicht ohne Grund gilt Angst als eine Erkrankung. Dadurch bietet die Angst vor etwas aber auch die Möglichkeit, sich einem unangenehmen Dialog zu entziehen – gleichbedeutend mit einer Bagatellisierung. Wer wird schon mit mir über meine Angst diskutieren wollen? Oder sie gar in Frage stellen? Wie respektlos!

Mit der neu gewonnenen Klarheit kann man dann viel anfangen. Z.B. nach Lösungen suchen.

Ich selbst muss mich allerdings sehr genau fragen, welches Problem mich denn konkret von der Blutspende abgehalten hat. In diesem inneren Dialog habe ich im letzten Jahr herausgefunden, was mich wirklich davon abhält. Und dann lernt man eben auch, dass ich nun einmal nicht gerne einen Schmerz, und sei er objektiv noch so harmlos, auf mich zukommen sehe.

Und so gehe ich seit knapp einem Jahr zur Blutspende. Und bin um die Überzeugung reicher, dass ich durch einen schonungslosen Dialog mit mir selbst alles verändern kann.

Ok, zum inneren Dialog gehört noch etwas mehr, aber dazu ein anderes Mal.

Seien wir doch einfach mal ein wenig respektlos zu uns selbst auf dem Weg zu innerer Klarheit. Dann können wir auch das Problem beschreiben, für das wir eine Lösung als lohnenswert erachten! Und können dadurch morgen einen wirklichen Dialog mit den Menschen erreichen, die heute noch auf Reichtagsstufen oder in Capitol-Räumen wüten.

Eine schöne Vorstellung!

Bis zum nächsten Teil, in dem ich mich mit der Frage beschäftige, was mich zum inneren Dialog motiviert – und wie ich mir selbst kritische und unangenehme Fragen stelle.

Passt auf Euch auf!

Hinweis:
Vieles der hier beschriebenen Dinge geht auf René Borbonus, Tobias Beck, Simon Sinek oder Dr. Miriam Prieß zurück. Über die Bücher, die mir in den letzten Jahren sehr geholfen haben, werde ich zu gegebener Zeit berichten.

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